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Was ist Psychodrama?

Der Begriff Psychodrama löst gelegentlich Befremden aus und weckt Assoziationen, die mit der eigentlichen Methode wenig zu tun haben. Manche denken an Spielfilme mit seelisch zerstörten Protagonisten und dunklen Kamerafahrten, andere denken an ein Drama im Sinne eines schrecklichen oder tragischen Vorganges. Nichts davon hat mit der Methode Psychodrama zu tun. 

Psychodrama als Methode ist ein Gruppenverfahren; ein gruppendynamischer Prozess, der durch ein spontanes szenisches Darstellen das Verhalten der beteiligten Menschen anschauen lässt. 

Jacob Levi Moreno ist der Begründer von Psychodrama, Soziometrie und Gruppen-psychotherapie. Morenos Kerngedanke bei der Entwicklung des Psychodramas war es, Rollenvielfalt zu ermöglichen. Psychodrama ist eine Methode der handelnden Dar-stellung des inneren Erlebens eines Menschen. 

Auf der Bühne bearbeiten Menschen persönliche oder berufliche Lebenssituationen, indem sie bestimmte Situationen szenisch darstellen, anstatt darüber zu sprechen. Dabei ist es gerade das Handeln und Erleben, das zu anderen Einsichten und Ergeb-nissen führt, als der immer gleiche Weg „durch den Kopf“. Der praktische, spielerische Zugang weckt ganz andere Ressourcen in uns. 

Die bearbeiteten Situationen können sehr konkret sein und real, aber ebenso auch reine Fiktion, Wünsche, Träume oder Phantasien. Die innere Erlebniswelt eines Menschen, so wie er eine Situation sieht und empfindet, wird auf die Bühne gebracht, und so werden Lösungen für den Betreffenden gesucht. Die Psyche eines Menschen wird im Psychodrama quasi „ausgespielt“. 

Grundlage für das Psychodrama ist Morenos Spontaneitätskonzept. Moreno war der festen Überzeugung, dass ohne Kreativität und Spontaneität der Mensch nicht in der Lage ist, sich zu einer Persönlichkeit zu entfalten und den vielfältigen Situationen angemessen zu begegnen. 

Nach Moreno verfügt der Mensch meist nur über eine beschränkte Anzahl an Rollen, die er in seinem Leben spielen kann, während andere, unentdeckte Rollen verborgen und ungenutzt bleiben. Morenos Behandlungskonzept beruht auf der Möglichkeit einer Erweiterung des Rollenrepertoires. Um effektiv zu interagieren, muss der Mensch fähig sein, seine eigene Rolle aufzugeben und die Rolle eines anderen zu übernehmen. 

Das, was Kinder im Spiel ganz selbstverständlich können, haben wir Erwachsenen vielfach verloren. Im Psychodrama lernen wir, Konfliktsituationen spielerisch zu inszenieren und neue Strategien zur Konfliktbewältigung zu erarbeiten. Wir erweitern unser Rollenrepertoire und lernen neue Verhaltens-weisen. 

Im Psychodrama werden Themen der Vergangenheit ebenso aufgearbeitet, wie auch kreative Lösungsansätze für Gegenwart und Zukunft erarbeitet. Im Surplus erweitern wir unsere kreativen Fähigkeiten. 

Psychodrama hilft das Ausgeliefertsein zu überwinden und eigene Rollen aktiv zu gestalten. Es handelt sich um eine in der Praxis erprobte, ausgesprochen wirksame und bewährte Methode
, die heute in der Therapie, in der Schule, im Management, in sozialen und in therapeutischen Bereichen auf der ganzen Welt seine Anwendung findet. 

 

Die fünf Instrumente des Psychodrama

 

Die psychodramatische Methode arbeitet mit fünf Grundelementen:

  1. Die Bühne
  2. Die Protagonisten
  3. Die Leitung
  4. Die Hilfs-Ichs
  5. Die Gruppe

 

1. Die Bühne

Moreno unterstreicht, dass die Bühne dem Protagonisten die Möglichkeit für Erfahrungen und Ausdruck gibt, die er in seinem täglichen Lebensbereich nicht erfahren kann. Morenos Konzept der Bühne wird von ihm wie folgt beschrieben: 
Der Raum der Bühne ist eine Ausdehnung des Lebens jenseits der Realitäts-prüfung des Lebens selbst. Realität und Phantasie sind nicht in Konflikt, sondern sind beide Funktionen innerhalb einer weiter gespannten Sphäre der psychodramatischen Welt der Objekte, Personen und Geschehnisse.

Nach seiner Logik ist der Geist von Hamlets Vater genauso real und es ist ihm erlaubt zu existieren wie Hamlet selbst. Wahnhaftes und Halluzination werden auf der Bühne ver-körpert – und erhalten so eine Gleichheit mit normalen sinnlichen Wahrnehmungen. Die letzte Lösung tiefer mentaler Konflikte verlangt ein objektives Setting – nämlich das psychodramatische Theater.

 

2. Die Protagonisten

Das zweite Instrument ist der jeweilige Protagonist/ die Protagonistin. Die Protagonisten stellen ihre eigene private Welt dar. Jeder Protagonist entscheidet selbst und das Spiel hängt von den Gefühlen, Symbolen, Personen und Situationen ab und wie sie sich in seinem Bewusstsein entwickeln. Er muss die Freiheit des Ausdrucks haben, so dass er seine Spontaneität entwickeln kann. 

Das Prinzip der Darstellung befähigt den Protagonisten nicht allein mit Teilen seines Selbst in Kontakt zu kommen, sondern auch mit anderen Personen, die an seiner Wahrnehmung beteiligt sind, ob dies nun real oder vorgestellt ist. 

Verschiedene psychodramatische Techniken, wie zum Beispiel Selbstdarstellung, Selbstgespräch, Projektion, Rollentausch, Doppeln und Spiegeltechniken werden dem Protagonisten zur Verfügung gestellt, um Warming-up und Spontaneitätsprozesse zu unterstützen.

3. Die Leitung

Das dritte Instrument im psychodramatischen Prozess ist die Leitung, die das psychodramatische Spiel produziert, analysiert und unterstützt. Die Leitung wärmt sich selbst auf in Richtung der eigenen Spontaneität, um den Protagonisten Freiheit des eigenen Ausdrucks zu geben. 

Der Leiter und der Protagonist sind auf der Ebene des gemeinsamen Unbewussten verbunden, sowie auch alle anderen teilnehmenden Mitglieder des Psychodramas. 

4. Die Hilfs-Ichs

Das vierte Instrument sine die Hilfs-lchs, therapeutische Spieler, Gruppenmitglieder, die die Wahrnehmung des Protagonisten von der Realität oder symbolischen Ebene in seinem persönlichen Psychodrama darstellt. Die Hilfs-Ichs dienen verschiedenen Zwecken: 

  • Einer Ausdehnung des Subjekts, wobei aktuelle oder vorgestellte Personen im Leben des Protagonisten dargestellt werden.
  • Einer Rollenausdehnung der Leitung.
  • Einer therapeutischen Hilfe, die dadurch, dass ein Hilfs-Ich seine eigene dynamische Rolle ausspielt, den Protagonisten dazu bringt, eine neue Form der psychodramatischen Verbindung zu erleben.
  • Ein sozialer Befrager

 

5. Die Gruppe

 

Das fünfte Instrument hat die Funktionen: 

  • Dem Protagonisten einen tragenden und einfühlenden Boden zu geben. Er erhält in der Gruppe die nötige Solidarität und Ermutigung. Er kann erfahren, dass die Menschen in der Gruppe ähnliche Gedanken und Gefühle haben. Dies dient der Unterstützung seiner Selbstwahrnehmung.
  • Den Teilnehmern der Gruppe aus der Sicht der "Zuschauer" eine Katharsis zu ermöglichen, indem sie im Spiel des Protagonisten auf der Bühne eigene Erfahrungen miterleben.
  • Die Gruppe stellt die Mitspieler (Antagonisten, Hilfs-Ichs), die der Protagonist in seinem Spiel benötigt.
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© Institut für Psychodrama Dr. Ella Mae Shearon